Feb 14, 2017 - Schreibstil    1 Comment

Besser schreiben

Wenn man mehrere verschiedene Playpartner hat, kommt man nicht umhin, auch mal zu vergleichen und die Unterschiede zwischen ihnen zu bemerken. Alle meine PPs sind gut. Auf verschiedene Weise. Aber einige…. sind richtig gut: Ihre Posts reißen mich mit Haut und Haaren an sich. Und ich rede hier nicht davon, dass das eine RPG eben actionhaltiger oder von der Story her schon dramatischer ist, als das andere. Nein, es geht um das Schreiben. Nun, Schreiben ist ein Handwerk. Wo ist also der handwerkliche Unterschied zwischen gut und richtig gut?

Individuelle Erzählstimme

Viele Charaktere hören sich sehr ähnlich an, in der Art wie sie erzählen. Ich könnte aus drei verschiedenen RPGs drei Posts herausnehmen und man wäre sich nicht sicher, ob das wirklich drei verschiedene „Personen“ sind, die da erzählen. Es ist fast so eine Art genormte Erzählstimme. Oder im besten Fall eine charakteristische – und zwar die des Schreiberlings (womit seine Charas auch alle wieder gleich klingen, aber eben zwischen anderen PPs herausstechen).

Was meine ich mit Erzählstimme? Ich will jetzt kein Schreibtheorie-Seminar geben, deswegen lieber kleine Beispielhäppchen: Ein Charakter könnte häufiger Anglizismen verwenden. Es könnte bestimmte Formulierungen oder Redewendungen geben, die ihm zu eigen sind. Er könnte dazu neigen, fremde Menschen mit Hunderassen zu vergleichen, jedem im Geiste einen skurrilen Spitznamen geben oder er könnte in regelmäßigen Abständen ein „Oma hat immer gesagt,…“ einschieben. Es gibt unzählige Möglichkeiten, einen Charakter anders klingen zu lassen als die graue Masse, ohne dass er dabei ins alberne abdriftet.

Sinnliche Beschreibungen

Hmm, nein, ich rede hier nicht von Sex. Das was ich in diesem Abschnitt zu sagen habe, kann man auf jegliche Szenen anwenden. Benutzt alle Sinne eurer Charaktere. Der Ottonormal-RPG-Spieler beschränkt sich allzu oft auf das Sehen. Aber da ist oft doch noch mehr drin. Wonach riecht es in der fremden Wohnung? Welche Geräusche hört der Charakter? Wie fühlt sich etwas an, wenn er es berührt? Und dann noch eine andere Ebene… woran erinnert der Ort, den der Charakter gerade betreten hat ihn vielleicht? Oder welcher Vergleich kommt ihm in den Kopf? Welche Gefühle und Gedanken weckt er? Natürlich kann man das alles nicht nur auf Orte beziehen, sondern auch auf Gegenstände, Tätigkeiten und Personen.

Und vergesst bitte nicht Mimik und Gestik. Das ist so wichtig für die Charakterisierung und die Interaktion und gibt eurem Gegenüber auch neuen Input, den er verarbeiten kann. Es lässt euren Charakter lebendiger und echter wirken, wenn er nicht immer nur farblos und steif wie ein Roboter dasteht. Lehnt er sich gegen ein Möbelstück, wenn er redet? Verschränkt er die Arme? Zieht er die Augenbrauen hoch? Kratzt er sich am Kinn? Zupft er an seinen Klamotten herum? Wischt er den Staub von einem der Schränke? Schaut er sich stetig um oder beobachtet er die ganze Zeit seinen Gesprächspartner? Auch das sind Dinge, die in eine Beschreibung gehören sollten.

Okay, jetzt kommt der Sex

Worauf kommt es bei gefühlsbasierten Szenen an? Beim Austausch von Nähe und Zärtlichkeiten zählt vor allem eins: das Innenleben. Viele PPs versteifen (pun not intended) sich hier zu sehr auf die äußere Handlung und mechanische Beschreibungen. Ich weiß noch, dass ich als Sechzehnjährige die Küsse meiner Charas auch gerne mit „wilden Zungenkämpfen“ und ähnlich großartigen Formulierungen versehen habe. Ehrlich: Macht es nicht. Manchmal reicht ein einfaches „Und dann küsste er sie“. Schreibt lieber, wonach es schmeckt, wie sich die fremden Lippen anfühlen und wie die Berührung das Herz eures Charakters zum Stolpern bringt. Oder wie sie sich auf die Zehenspitzen stellt, um ihm näher zu sein. Alles ist besser als zu beschreiben, was genau welche Zunge jetzt wann und wo macht.

Selbiges gilt auch für den Rest des Akts. Natürlich ist äußere Beschreibung auch wichtig und kann zum Prickeln beitragen, aber sie sollte nicht das innere Geschehen überwiegen. Ich würde lieber ein 60 zu 40 Verhältnis anpeilen, oder noch weiter in Richtung Innenleben verschieben – je nachdem wie der Charakter drauf ist und was es für eine Szene ist. Gewaltsamer, wilder Sex kann durchaus etwas mehr Äußeres vertragen, als das erste Mal zwischen zwei Verliebten. Okay und was ist das innere Geschehen abgesehen vom steigenden Puls, der Hitze und so weiter? Die Gedanken des Charakters und seine Emotionen abgesehen von der Lust. Wie stehen die beiden zueinander und was wird sich vielleicht durch diese Szene ändern? Sind es zwei Teenager, die sich aneinander ausprobieren? Dann beschreibe die entsprechenden Gedanken. Ist der Altersunterschied zwischen den Charakteren besonders relevant? Dann rücke das in den Vordergrund (wie fühlt sich der jüngere Charakter in der Konstellation? Ein bisschen eingeschüchtert von der größeren Erfahrung des anderen? Oder angeheizt von der Vorstellung, welches Bild sie abgeben? Hat der Ältere von beiden vielleicht Sorge, weniger ausdauernd oder knackig zu wirken und will irgendwie davon ablenken? Ist der jüngere Sexpartner wie eine Trophäe für ihn? Usw.)

Details, Details, Details

Es ist auch eine Frage des Erzähltempos. Man kann schreiben „Er stieg ins Auto und fuhr los“. Man kann aber auch schreiben „Er ließ sich auf den Sitz fallen und knallte die Autotür hinter sich zu. Der Sicherheitsgurt rastete mit einem trägen Klicken ein, dann startete David den Motor. Die Finger seiner linken Hand streichelten das kühle Leder des Lenkrades, bevor sie es fester umfassten und er den Gang einlegte.“ Spontan hingeschmiert, nicht nobelpreisverdächtig, aber doch deutlich anschaulicher als die kurze Version. Beides geht, beides kann angemessen sein. Es kommt darauf an, was man zeigen möchte. Ist das Autofahren gerade nur Mittel zum Zweck und kam schon zigfach im RPG vor, dann würde ich die kurze Version nehmen… sehen wir den Charakter aber zum ersten Mal Autofahren oder fährt er vielleicht zu einem bestimmten Ort, zu einem wichtigen Termin oder hat jemanden dabei, der ihm dabei zusehen könnte, wie er fährt, dann wäre es eine Überlegung wert, die Sache eben detaillierter zu beschreiben.

Details erwecken Bilder im Kopf des Lesers zum Leben. „Ein silberner Panda-Anhänger baumelte an der Öse seines Autoschlüssels hin und her.“ Es sind eure Charaktere, eure Orte, eure Gegenstände und eure Geschichten. Schmückt sie aus.

1 Kommentar

  • Hey, echt gut geschrieben. Ich werde ein paar Tipps zu Herzen nehmen und versuchen sie zu nutzen. Ich spiele seit 6 Jahren ca. Und manchmal habe ich das Gefühl noch immer auf einer Stelle zu laufen. Meine feste Play Partnerin meint zwar das ich mich verbessert hätte, aber für mich fühlte es sich noch nicht so an. Sie spielt mit mir seit 5 Jahren 🙂

    Danke

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