Sep 6, 2015 - Allgemein    2 Comments

Neu ist immer besser?

Ich liebe RPGs. Und du auch lieber Leser, nehme ich an, denn sonst wärst du nicht hier. Kennst du das, wenn du mal wieder eine tolle Idee für ein neues RPG hast, obwohl du eigentlich findest, dass du schon gut ausgelastet bist? Aber dieses eine, das musst du unbedingt noch erstellen, weil du so geflasht davon bist! Oder du findest in der Linkliste dieses neue tolle RPG mit einer super Story, die dich von den Socken haut… oder ein Multi mit einer total ausgefallenen Idee? Aber was tun? Läuft die Liste nicht irgendwann über?

Ich gebe zu, ich hatte auch schon Zeiten, in denen ich unvernünftigerweise noch weitere RPGs in meine Liste aufnahm, obwohl ich schon öfter das Gefühl hatte, nicht nachzukommen. Die Beherrschung fällt manchmal schwer, wenn man das Gefühl hat, auf ein Juwel gestoßen zu sein. Ich will es haben, bevor jemand anderes mir zuvorkommt! Eventuell erscheinen einem die bereits bestehenden ‚alten‘ Play sogar im Schein des neuen langweilig und spaßlos. Was nun? Die alten beenden und Platz für neues schaffen? Das wäre eine Variante, aber wenn man es immer so handhabt, wird man wahrscheinlich niemals eines zu Ende spielen, denn der ‚Reiz des Neuen‘ lockt jedes Mal aufs Neue. Das ist wie bei einer frischen Verliebtheit…

Besinne dich auf das Bestehende

Denke darüber nach, was dich zu Beginn jedes einzelnen deiner bestehenden RPGs daran gereizt hat. Welche Szenen hattest du im Kopf, die dich so geflasht haben? Was war die Essenz dessen, was dich daran anzog? Die unendliche Weite und die bunten Möglichkeiten deiner Fantasywelt? Die Egozentrik deines Charakters? Die hemmungslose Verstrickung der Romanze? Welche Bilder hast du gesehen, als du das RPG erstellt oder erstmals entdeckt hast?Überlege, ob du das alles nicht immer noch genauso toll findest und nur vergessen hast. Überlege, ob dir etwas in dem Play fehlt, ob deine Erwartungen vielleicht nicht ganz getroffen oder gar enttäuscht wurden – oder ob es doch eigentlich genau das ist, was du wolltest!

Und was ist mit der Zukunft? Lohnt es sich für dich, das RPG weiterzuschreiben? Auf was fieberst du hin? Auf den ersten Kuss? Auf den Moment, indem Raphael endlich Nathaniels Geheimnis entdeckt? Darauf, dass eure Charaktere aus ihrem Gefängnis ausbrechen? Auf den Abschlussball? Oder ist jeder einzelne Post eine ganz eigene Überraschung? Wenn du allerdings gar nichts finden kannst, auf das du in dem Play noch hoffst oder dir für es wünschst, dann ist vielleicht wirklich die Luft raus. Rede mit deinem PP darüber, vielleicht könnt ihr dem RPG eine neue Richtung geben und alles wäre wieder spannend und interessant genug? Und wenn nicht? Dann solltest du das Play vielleicht wirklich beenden.

Blicke über den rosaroten Brillenrand

Gut, da ist also dieses neue RPG, das du so toll findest. Was ist es, das dich daran anzieht? Welche Ideen und Bilder hast du im Kopf, wenn du daran denkst? Was ist mit dem Setting, spannend und abwechslungsreich? Mal etwas ganz exotisches? Gehe in dich und überlege, ob es nur das Funkeln des neuen und ungewöhnlichen ist, das dich anlockt, oder ob du dich wirklich dauerhaft für das Thema begeistern kannst. Wenn du weißt, dass dich eintönige Settings und immer gleiche Schauplätze schnell langweilen, ist ein RPG in einem Gefängnis vielleicht doch nicht das richtige für dich, auch wenn die Beschreibung wirklich cool wirkt.

Langlebige RPGs

Rollenspiele sind unser Hobby. Doch eine gewisse Verpflichtung stellen sie trotzdem dar – zumindest wenn man sich das Ziel gesetzt hat, ein langlebiges RPG aufzubauen. Wenn ich Fußball spiele, kann ich normalerweise auch nicht mitten im Match das Handtuch werfen. Ich sollte mir also wenigstens vorher Gedanken machen, ob ich das Durchhaltevermögen habe. Natürlich kann man ein RPG jederzeit beenden und die Welt geht nicht unter, wenn man es tut. Aber es ist besser für beide Parteien, wenn man nicht ständig neue erstellt und dann wieder löscht, sondern sich Gedanken darüber macht, was man wirklich will und was einem auf Dauer Spaß macht.

Auch gute RPGs haben ihre Phasen, in denen sie etwas weniger Spaß machen, es gibt Situationen die weniger spannend zu spielen sind, aber die sein müssen. Es ist nur menschlich, dass man nicht immer maximal motiviert ist. Doch gerade dann sollte man darüber nachdenken, was einem so an dem Play gefällt, vielleicht nochmal den Anfang lesen und in den Lieblingsszenen schmökern. Was auch oft hilft ist, mit dem PP darüber zu reden und gemeinsam zu überlegen, wie man wieder mehr Salz in die Suppe bekommt. Ein Zeitsprung kann helfen, oder ein neuer Nebencharakter, der frischen Wind bringt. Langlebig wird ein RPG, wenn man auch bereit ist, daran festzuhalten und selber daran zu arbeiten, dass es gut und spannend für beide Parteien bleibt. Wer bei jeder Flaute abspringt und sich etwas neues sucht, wird wahrscheinlich nie in den Genuss kommen, eines wirklich zu Ende zu spielen.

Zeitmanagement

Bei mir hat es sich bewährt, regelmäßig eine Liste meiner RPGs zu erstellen und sie zu kategorisieren. Wie aktiv sind die jeweiligen PPs? Posten sie täglich, alle drei tage oder einmal die Woche? Denn wie oft ich dran bin, beeinflusst, wie viel Zeit ich investiere. Wenn ich an der Reihe bin, möchte ich auch bald zurückposten, das heißt ein schneller Playpartner animiert mich, auch aktiver zu sein. Diese RPGs nehmen somit mehr Schreibzeit in Anspruch, als die die nur einmal die Woche gespielt werden.

Habe ich viele von der sehr aktiven Sorte? Dann ist ein neues eher keine gute Idee. Habe ich aber hauptsächlich RPGs, in denen ich längere ‚Wartephasen‘ habe, dann kann ein weiteres eher noch einen Platz finden. Eine zeitlang habe ich mir auch einen Plan gemacht, in dem ich jedem RPG einen Wochentag zugeteilt habe. Montags RPG A und B, dienstags C und D, mittwochs Ruhetag und so weiter. Das lässt sich nicht für jeden Menschen und jedes RPG anwenden aber vielleicht ist es ein Denkanstoß für manche Leute, die Probleme mit ihrem Zeitmanagement haben.

Einen sauberen Strich ziehen

Du hast dich entschieden – du möchtest raus aus dem RPG. Es macht dir nicht mehr genug Spaß, du hast keine Lust mehr darauf, oder was auch immer. Schreib deinem PP eine kurze Nachricht. ‚Sorry, aber für mich ist die Luft raus‘ ist in jedem Fall besser, als sich still und heimlich auszutragen und den Mitspieler am besten noch auf die Blockierliste zu setzen. Was bricht dir ab, wenn du deinem PP kurz Bescheid sagst? Kann schon sein, dass er traurig oder enttäuscht über deinen Ausstieg ist – aber im Endeffekt wird er dir auch dankbar für deine Ehrlichkeit sein. Sich einfach nur abzumelden und den anderen im Regen stehen zu lassen, ohne dass er eine Ahnung hat, was überhaupt los war, ist unsozial und auch nicht besonders fair. Ihr hattet doch eine Weile Spaß miteinander, also wieso es nicht dann auch sauber beenden? Sei kein Kind, das Angst vor dem Knall hat – die wenigsten Leute reagieren tatsächlich wütend, sondern ebenso höflich und erwachsen – zumindest meiner Erfahrung nach. So verbaut man sich auch nicht die Chance, den Spieler zukünftig wieder für ein Play zu gewinnen.

Teile den Beitrag mit deinen Freunden!
Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Tumblr

2 Kommentare

  • Ich sag mir immer, dass ich maximal 30 Rpgs haben sollte. Finde es scht krass, dass manche Leute 300 haben… Dementsprechend aber auch nie posten.

    • 300!? O_O
      WTF…
      Ich achte darauf, dass ich immer alle auf eine Seite bekomme…

Deine Meinung ist gefragt!